Mit der Lebensretter-App (siehe unseren Artikel https://www.wasserwacht-aichach-friedberg.de/aktuelles/wasserwachtler-fuer-die-region-der-lebensretter/) werden qualifizierte Ersthelferinnen und Ersthelfer alarmiert – oft noch bevor Rettungsdienst oder Feuerwehr eintreffen. Was auf dem Papier gut klingt, bedeutet in der Realität: Alarm im ganz normalen Alltag, Adrenalin, Verantwortung und manchmal auch schwierige Momente.
Zwei unserer Mitglieder aus Kissing waren schon im Einsatz: Wir haben mit Marina und Michael über ihre bisherigen Einsätze, ihre Gefühle dabei und ihre Einschätzung zur App gesprochen.
Wo wart ihr, als ihr alarmiert wurdet?
Marina:
„Bei beiden Einsätzen war ich tatsächlich in der Arbeit, ich arbeite in einer Kindertageseinrichtung. Ich habe das Glück, dass ich gehen darf, wenn es die Personallage zulässt. Beide Male konnte ich sofort los – und habe keine Sekunde gezögert, in der App anzuklicken, dass ich komme.“
Michael:
„Ich war ebenfalls in der Arbeit, und der Alarm war sehr nah an meinem Arbeitsplatz. Das war definitiv von Vorteil, da ich ersteintreffend beim Patienten war.“
Was geht einem in diesem Moment durch den Kopf? Wie habt ihr euch gefühlt?
Marina:
„Natürlich steigt das Adrenalin. Für mich war das keine alltägliche Situation – es war sogar meine erste Reanimation überhaupt. Trotzdem überwiegt die Motivation, das jahrelang gelernte Wissen einzusetzen, um vielleicht ein Leben zu retten.“
Michael:
„Am Anfang konnte ich den Alarmton nicht sofort zuordnen, da er sich von den üblichen Alarmierungen der Feuerwehr, Wasserwacht oder des BRK unterscheidet. Ansonsten war die Alarmierung für mich nichts völlig Neues, da ich durch den Feuerwehrdienst bereits einige solcher Einsätze erlebt habe.“
War es chaotisch am Einsatzort?
Marina:
„Beim ersten Einsatz war es im ersten Moment durchaus chaotisch. Die Straße war sehr zugeparkt, wir mussten ein gutes Stück rennen. Ich war gemeinsam mit einer mir unbekannten Lebensretterin ersteintreffend. Innerhalb kürzester Zeit kamen weitere Lebensretter sowie Rettungsdienst, Notarzt und Feuerwehr hinzu. Wir hatten nur etwa zwei Minuten ohne professionelle Einsatzkräfte vor Ort – der Notarzt beendete den Einsatz kurz nach seinem Eintreffen.“
„Beim zweiten Einsatz war es weniger chaotisch, dafür organisatorisch herausfordernd: falscher Anfahrtsweg, viele parkende Autos und fehlende Angaben in der App. Ich konnte letztlich vor allem beim Öffnen der Türen und bei der Koordination mit Rettungsdienst und Feuerwehr unterstützen.“
Michael:
„Nein, zum Glück nicht. Es kam nicht zu einer Reanimation, da der Patient bei meinem Eintreffen ansprechbar war. Für uns Lebensretter war somit kein direktes Eingreifen notwendig.“
Wie ging es euch nach den Einsätzen?
Marina:
„Nach dem ersten Einsatz war ich schon aufgewühlt. Es war meine erste Reanimation, und mir war sehr schnell klar, dass es vermutlich nichts mehr wird. Darauf muss man sich einstellen – viele Einsätze werden so ausgehen. Die großen Erfolge sind möglich, aber vermutlich nicht die Regel.“
„Gleichzeitig war ich beeindruckt, wie gut die App funktioniert hat: Wir waren vor Rettungsdienst und Feuerwehr vor Ort und hatten sogar einen Defibrillator dabei. Genau dafür ist die App gedacht.“
„Beim zweiten Einsatz habe ich mich kurz über meinen Anfahrtsweg geärgert, aber auch hier war ich vor dem Rettungsdienst da – ein weiterer Beweis dafür, dass das System funktioniert.“
Michael:
„Man ist einfach erleichtert, wenn es nicht so weit kommt und niemand stirbt. In meinem Fall war es eine durchweg positive Situation für alle Beteiligten.“
Habt ihr euch gut vorbereitet gefühlt?
Marina:
„Ja. Ich bin im Roten Kreuz aufgewachsen und trainiere seit über 20 Jahren regelmäßig Reanimation. Zusätzlich habe ich einen komplett ausgestatteten Notfallrucksack mit Beatmungsbeutel, Maske, Absaugung und Handschuhen. Das gibt Sicherheit und ermöglicht schnelle, gezielte Hilfe.“
Michael:
„Definitiv. Ich habe bereits mehrere vergleichbare Einsätze erlebt und fühlte mich gut vorbereitet.“
Wie ist euer Fazit zur Lebensretter-App?
Marina:
„Die App hat enormes Potenzial und viele Vorteile. Schnelle Hilfe kann Leben retten – das hat sich gezeigt. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass diese Einsätze auch psychisch belastend sein können.“
Michael:
„Grundsätzlich ist es immer besser, wenn jemand hilft, als gar nichts zu tun. Trotzdem sollte man darauf achten, dass die registrierten Helfer regelmäßig geschult sind.“
Würdet ihr es weiterempfehlen?
Beide:
„Ja – mit Verantwortungsbewusstsein, regelmäßiger Fortbildung und dem klaren Wissen, was einen im Ernstfall erwartet. Denn wenn jede Minute zählt, kann frühe Hilfe den entscheidenden Unterschied machen.“
💙 Vielen Dank an Marina und Michael für ihr Engagement und ihre Offenheit. Ihr Einsatz zeigt eindrucksvoll, wie wichtig gut ausgebildete Ersthelferinnen und Ersthelfer für unsere Region sind.
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